Die Eltern begannen mit dem Hausbau. Überall lauerten die Gefahren für so kleine Kinder. Zu guter letzt kam auch ich noch am 13. Juni 1963 auf die Welt. Die Kinderstimmen füllten das Haus mit Lachen und Weinen. Oma hatte kaum Zeit für uns. Da war noch die Urgroßmutter vom Stocker. Sie kam fast jeden Sonntag bei uns vorbei. Sie war Mama ein wertvoller Ratgeber und auch ein Ansprechpartner. Wir mochten sie sehr gerne. Sonst kamen nicht unbedingt viele Menschen bei uns vorbei.
Als wir drei in die Schule mussten, wurde es im Haus etwas ruhiger. Nachmittag hieß es noch die Aufgaben machen und anschließen blieb uns noch Zeit zum Spielen. Es kam natürlcih darauf an, wie schnell wir mit den Hausaufgaben fertig wurden. Im Winter rutschten wir auf Plastiksäcken über die Wiese hinunter ins Dorf. Leider verging diese unbeschwerte Kinderzeit viel zu schnell.
Franzi besuchte den B-Zug in der Hauptschule Kirchberg. Mit Mathematik hatte er immer so seine liebe Not. Zuhause saß er oft stundenlang über seinen Aufgaben und bekam die Lösungen einfach nicht in seinen Kopf rein. (Heute hat er einen Beruf gewählt, bei dem es vorwiegend um Zahlen geht). Franz begann nach Abschluss der Pflichtschule eine Lehre als Installateur. Während dieser Ausbildung wechselte er einmal den Arbeitsplatz und schloss die Ausbildung ab. Er war unter der Woche auswärts und kam nur am Wochenende heim. Zuerst hatte er ein Zimmer in Neunkirchen bekommen und danach nahm ihn ein Ehepaar in Flatz auf.
Nun waren beide Geschwister nicht mehr daheim. Ich war wieder einmal als Jüngste alleine zurückgeblieben. Nach dem Führerschein kaufte er sich ein Motorrad und damit ging es auf "Entdeckungsreise". Kurz bevor er die Maschine wieder verkaufte, durfte ich ein einziges mal eine Runde mit ihm fahren. Ich nahm meinen Bruder fest um die Mitte und genoss den Fahrtwind, der um meine Nase strich. Ich nahm die verschiedensten Gerüche auf und war echt glücklich. Für einen Menschen, der kein Augenlich besitzt, war dieser Ausflug ein eindruckvolles Erlebnis. Bald kam dann das Auto.
Mein Briederchen lernte seine zukünftige Frau Helga kennen. Bei einem gemeinsamen Ausflug mit Helga´s Eltern in ein Thermalbad, erlitt ihr Vater - kurz nach dem Mittagessen - einen Herzstillstand. Ausgerechnet in diesem Augenblick befand er sich im Wasser. Badegäste bemerkten, dass hier schon längere Zeit ein Mann im Wasser taucht. Ohne es zu ahnen, schwamm mein Bruder auf ihn zu und zog ihn an den Beckenrand. Erst da erkannte er den Schwiegervater, der nur noch tod geborgen werden konnte. Jeder Versuch einer Widerbelebung schlug fehl.
Nun meinte die Schwiegermutter, Franz könne sie gerade in dieser Situation nicht im Stich lassen. Helga war noch minderjährig und auf Hilfe angewiesen. Im Juni 1983 kam Sohn Gerhard zur Welt. Franz freute sich über seinen Jungen. Im September des selben Jahres wurde kirchlich geheiratet. Franz ging es an seinem Hochzeitstag überhaupt nicht gut. Er hatte Fieber und fragte sich immer wieder, ob dieser Schritt auch richtig sei. Irgendwie wollte er Helga´s Familie nicht im Stich lassen. Die Trenker Buam sorgten für musikalische Unterhaltung. Die Hochzeit dauerte bis gegen 5 Uhr morgens und die Tanzbeine wurden so lange geschwungen. Von diesem schönesten Tag im Leben bekam mein Bruder nicht viel mit.
Franz war mit seiner Familie nach Wien in den 12. Bezirk gezogen. Er arbeitete als Installateur und dann einige Jahre in der Wiener Staatsoper. Das Geld war längste Zeit knapp. Man konnte kaum genug verdienen. Im Oktober 1985 kam Sohn Werner zur Welt. Helga hatte sich auf ihr zweites Kind gefreut und war bestens für die Geburt vorbereitet. Franz entfernte sich mit den Jahren immer mehr von seinem Elternhaus. Helga machte sichtbare Unterschiede in der Erziehung ihrer Söhne und dadurch entstanden einfach auch Meinungsverschiedenheiten auf beiden Seiten. Mama und Papa versuchten diese Tatsache zu verstehen. Schließlich hatte ihr Sohn seine eigene Familie. Nach über 10 Jahren begann es in dieser Ehe zu krieseln. Franz hatte mittlerweile seine Arbeit wieder gewechselt und war als Versicherungsvertreter tätig. Natürlich fanden die Kundentermine oft erst am Abend statt. Seine Kinder sahen ihren Vater immer weniger.
Schließlich kam es doch zur Scheidung. Für seine Söhne war diese Tatsache sicher nicht leicht zu verkraften. Franz kam vorübergehend wieder ins Elternhaus zurück. Er lernte eine neue Partnerin kennen. Andrea war geschieden und hatte ebenfalls 2 Söhne. Franz bemühte sich in dieser Beziehung um einen familienähnlichen Zustand. Leider waren Stefan und Christoph zwei recht emotionelle Kinder. Franz lebte sich in die "neue Familie" ein. Sie machten gemeinsam Urlaub und Franz bemühte sich auch seine beiden Söhne in die Familie zu integrieren. Gerhard und Werner fühlten sich spürbar unwohl in dieser neuen Lebenssituation. Andrea verstand es sehr gut, sich finanziell abzusichern. Liebe macht bekanntlich "kurzsichtig"! Nach einigen Jahren ging auch diese Beziehung in die Brüche.
Endlich erkannte Franz die Chance seines Lebens. Er lernte seine jetzige Frau Sigrid kennen. Sie schenkte ihm Töchterchen Lisa. Franz ist wie ausgewechselt. Er ist seiner Tochter ein äußerst liebevoller Vater und Sigrid hoffentlich ein guter Lebenspartner. Im Juli 2004 gaben sie einander - im Schloß Gloggnitz - das Jawort. Sie hatten eine traumhafte Hochzeit organisiert. Den geladenen Gästen gefiel die Feier ausgesprochen gut und sie dauerte bis in die Morgenstunden. Sigi geht mittlerweile schon arbeiten und klein Lisa besucht bereits den Kindergarten. Ich schätze meine Schwägerin sehr und sie ist ein grosser Gewinn für unsere Familie.